Na ja, in Deutschland ist das ja zum Glück nicht so, das System arbeitet insgesamt schon etwas wirtschaftlicher und korrekter auch wenn es viele gut bekannten Missstände gibt. Ich bin gesetzlich versichert. Wenn man aus dem Ausland kommt (übrigens auch wenn ein Deutscher zuvor einige Jahre im Ausland gearbeitet hat und danach zurückkehrt) muss man zur Zeit unabhngig vom Einkommen für mindestens drei Jahre in eine gesetzliche Kasse. Die kann man wenigstens frei auswählen, wobei es natürlich bei den Grundleistungen wenige Unterschiede gibt. Zum Zahnarzt gehen wir dann während unserer Ungarn-Aufenthalte, wir haben da eine sehr gute und es kostet ein Bruchteil. In Ungarn gibt es auf Grund des Wohnortes auch immer zuständige Fachärzte die jeden nehmen müssen, in Deutschland ist ja komplett freie Ärztewahl und auch Patientenwahl: im Prinzip kann ein Arzt sagen, er hat keine Lust mich als Patientin aufzunehmen, weil er schon überlaufen ist/ihm meine Krankenkasse nicht gefällt/ich arbeitslos bin. Noch bin ich nicht arbeitslos, also hatte ich direkt nach unserem Umzug nach Stuttgart auch das Glück, eine sympathische Frauenärztin ganz in meiner Nähe zu finden. Das etwas mehr marktwirtschaftlich ausgelegte System hat natürlich auch Nachteile, bei meiner Ärztin steht ja von Toilette bis Wartezimmer überall auf gut lesbaren Schildern dass sie nach jeder Patientin lediglich 14,50 Euro pro Quartal von der Krankenkasse bekommt, als Vergleich steht daneben eine Preistabelle von
Desweiteren haben wir festgestellt dass in beiden Ländern die Schwangerschafts- und Babybranche boomt (größte Zielgruppe sind Eltern mit erstem Kind), in Deutschland sogar vielleicht etwas mehr. Die obere Preisgrenze dieser Produkte liegt irgendwo im Mond, es gibt solches Zeug für wahnsinnig viel Geld wie zum Beispiel ein Kinderwagen-Schaukel-Gerät. Das ist eine zylinderförmige kleine Maschine welches man am Kinderwagen anbringen muss und es setzt den Wagen in eine sanfte (natürlich gibt es noch regulierbare Stufen) Bewegung, ich stelle es mir besonders bei arm- und beinlosen Eltern (tschuldigung) äußerst nützlich vor.
Mir ging es ja auch so wie anderen, solange ich selbst nicht betroffen war, hat mich diese Subkultur nur am Rande berührt, so hole ich jetzt eifrig meine Kenntnisse in diversen Untervarianten der menschlichen Blödheit nach.
Übrigens, hier in Deutschland würde ich zwei extreme Gruppen der Mütter hervorheben (zwischen diesen beiden gibt es noch die halbwegs normalen aber die sind nicht so interessant).
Erstens gibt es die Öko-Bio-Stillterror-Mütter. Sie sind Anhänger der bedingungslosen Natürlichkeit, ihre Lebensweise hat schon fast die der Höhlenmenschen erreicht. Windellosigkeit (weil eine richtige Mutter ja sogar an einem zwei Wochen alten Säugling erkennen kann dass es binnen einer Minute zur Aktion kommt und sie hat auch nichts anderes zu tun als aufzupassen, wann denn das Baby jetzt muss um es rechtzeitig über das Klo zu halten), weil ja eine Windel die Haut nie richtig atmen lässt. Sie stillt bis in die Pubertät, weil Muttermilch das beste für das Kind ist, und wenn jemand nicht stillen kann oder die Milch verebbt, kann das nur am Egoismus dieser Person liegen). Sie gebärt entweder zu Hause oder im Geburtshaus des halbillegalen Hebammenverbundes Shakti-Karma, um Krankenhäuser herum macht sie einen großen Bogen. Sie trägt ihr Kind die ganze Zeit in einem bei Vollmond aus Bio-Leinen gewebtem Tragetuch herum, und verachtet die mit Babybjörn. Sie bleibt hundert Jahre zuhause mit dem Kind, währrendessen arbeitet sich der Vater zu Tode bei seiner Firma welches Babybjörn/schadstoffausdünstende Kinderwagen/Windeln/genmanipulierte Fertiggerichte herstellt.
Die andere Seite der Münze ist die Karrieremutter. Sie trägt während ihrer ganzen Schwangerschaft weiterhin perfekt geschneiderte Hosenanzüge und nimmt insgesamt 2 Kilo zu. Eigentlich stellen Entbindung und das Baby selbst nur eine paar Wochen dauernden Fehler in der Matrix dar. Ihr kommt es etwas seltsam vor, weil sie noch nie zuvor so lange am Stück Urlaub hatte, aber nach acht Wochen fehlt ihr schon der Schreibtisch. Danach geht sie ja auch wieder vollzeit arbeiten, ihr Mann der in Elternzeit ist, fährt täglich mehrmals mit dem Baby zu ihr ins Büro damit sie zwischen ihren Terminen in einem leeren Meetingraum (sie bucht den vorher) stillen kann (aber meistens stillt sie erst garnicht, wenn sie Milch hat verebbt die dann). Es ist nicht so, dass sie das Geld so sehr brauchen würde, obwohl das ist ihr Argument ist. Es ist auch nicht so, dass sie Benachteiligungen erleiden müssten, wenn sie ein ganzes Jahr oder sogar zwei zu Hause bleiben würden, es geht hier nicht um äußere Erwartungen oder Zwänge. Es ist ein uralter, innerer Instinkt und/oder ein unbehandelt gebliebenes sinnloses irgendwelchen-Ansprüchen-genügen-wollen eines nie gelobten Einzelkindes welches in diesem Fall einen anderen Uristinkt komplett auslöscht. Rein finanziell ist diese Verhaltensweise aber ziemlich irrational, weil sie dann die Riesensummen die sie verdienen, bis zum 18. Lebensjahr des Kindes komplett an Nannys und renommierte Internate überweisen und danach an die zugunsten des Sprösslings gegründete Stiftung welche für die Bekämpfung delikater psychischer Störungen arbeitet.
Es ist ein interessanter Widerspruch, das die letztere Gruppe von den Medien vergöttert wird, das Gros der Gesellschaft sie aber als Rabenmütter beschimpft.